
Auf dem Fahrrad wird die Last alle zwei Minuten um 25 Watt erhöht, nach 9 bis 12 Minuten ist meist Schluss. Wie die Ergometrie abläuft, wann abgebrochen wird, wie sich der persönliche Watt-Sollwert berechnet und was Puls, Blutdruck und ST-Strecke über das Herz verraten.
Auf dieser Seite
- Ablauf Schritt für Schritt
- Wie lange dauert ein Belastungs-EKG?
- Fahrrad oder Laufband
- Vorbereitung und Kleidung
- Wann wird abgebrochen?
- Was die Werte zeigen
- Wie viel Watt sind normal? Rechenbeispiel
- Wie zuverlässig ist das Ergebnis?
- Wer zahlt das Belastungs-EKG?
- Häufige Fragen
- Wann ärztlich abklären lassen
- Fazit
- Quellen
Ein Belastungs-EKG folgt einem festen Ablauf: etwa 3 Minuten Ruhe-Messung, danach steigende Belastung auf dem Fahrradergometer, in der Regel um 25 Watt alle 2 Minuten, und am Ende einige Minuten Erholung mit weiterlaufender Messung. Die eigentliche Belastung soll nach dem Manual der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) von 2025 nicht länger als 9 bis 12 Minuten dauern.
Fachleute sprechen von Ergometrie. Gemessen werden dabei drei Dinge: die Herzströme über 12 Ableitungen, der Puls und der Blutdruck. Dazu kommt die geschaffte Leistung in Watt. Aussagekräftig wird erst die Kombination.
Wichtig vor dem Termin: Herzmedikamente wie Betablocker oder Digitalis verändern Puls und EKG. Ob sie vorher pausiert werden, entscheidet allein die Ärztin oder der Arzt, nie die Patientin oder der Patient selbst. Brustschmerz, starke Atemnot oder Schwindel während der Untersuchung sofort melden. Wer in Ruhe Brustenge mit Ausstrahlung in Arm, Kiefer oder Oberbauch hat, braucht kein Belastungs-EKG, sondern den Notruf 112.
Ablauf Schritt für Schritt
Die Reihenfolge ist in Praxen und Kliniken fast überall gleich. Sie beruht auf den Vorgaben der DGK, die seit der Leitlinie von 2000 im Kern unverändert geblieben sind.
- Vorgespräch: Beschwerden, bisherige Belastbarkeit und alle Medikamente werden erfragt. Nach dem DGK-Manual ist ein vollständiger Medikamentenplan Pflicht.
- Kurze Untersuchung mit Abhören des Herzens, Blutdruckmessung und Ruhe-EKG. Auffälligkeiten im Ruhe-EKG werden vor der Belastung geklärt, manchmal mit einem Herzultraschall.
- Haut an den Elektrodenstellen reinigen und entfetten, Klebe- oder Saugelektroden auf den Brustkorb setzen, Blutdruckmanschette anlegen.
- Ruhephase von etwa 3 Minuten auf dem Ergometer.
- Belastung nach Stufenschema. Das EKG läuft durchgehend auf einem Monitor mit, der Blutdruck wird auf jeder Stufe gemessen.
- Ende der Belastung: bei Erreichen der Ausbelastung, bei Erschöpfung oder wenn ein Abbruchkriterium auftritt.
- Erholungsphase, an der Charité mindestens 5 Minuten, in denen EKG und Blutdruck weiter aufgezeichnet werden. Gehen darf man erst, wenn EKG und Kreislauf wieder dem Ausgangszustand entsprechen.
Wie lange dauert ein Belastungs-EKG?
Die Belastung selbst soll laut DGK höchstens 9 bis 12 Minuten dauern. Das Patientenblatt zur Nationalen VersorgungsLeitlinie Chronische KHK (Bundesärztekammer und KBV, Stand September 2024) nennt bis zu 15 Minuten, je nach Höhe der Belastung. Rechnet man Vorgespräch, Elektroden, Ruhephase und mindestens 5 Minuten Erholung hinzu, kommen schnell 30 bis 60 Minuten zusammen.
Länger soll die Belastungsphase nicht werden. Das DGK-Manual verlangt ein Protokoll, das zur Leistungsfähigkeit passt: zu hohe Stufen bei schwachen Patienten führen zu frühem Abbruch, zu niedrige bei Sportlichen ziehen die Untersuchung unnötig in die Länge. Deshalb gibt es verschiedene Startwerte.
Fahrrad oder Laufband
In Deutschland wird meist im Sitzen oder halb liegend auf dem Fahrradergometer belastet. Für diese Form empfiehlt die DGK unverändert das Schema der Weltgesundheitsorganisation: Steigerung um 25 Watt alle 2 Minuten. Laufbänder arbeiten nach dem Bruce-Protokoll, bei dem Tempo und Steigung alle 3 Minuten zunehmen. Bei drehzahlunabhängigen Geräten lässt sich die Leistung auch über das Tempo steigern. Das hilft Älteren, wenn die Beinkraft vor dem Herz am Ende ist.
Vorbereitung und Kleidung
- Sportkleidung mit lockerem Oberteil, das sich leicht ausziehen lässt, dazu Turnschuhe. Der Oberkörper wird für die Elektroden frei gemacht.
- Ein Handtuch und etwas zu trinken mitnehmen. Die Charité weist darauf hin, dass man bei der Untersuchung stark schwitzt.
- Medikamentenplan und, falls vorhanden, frühere EKG-Befunde mitbringen.
- Was vorher gegessen werden darf und ob Medikamente am Morgen genommen werden, mit der Praxis klären. Eigenmächtiges Absetzen von Blutdruck- oder Herzmitteln ist riskant.
- Bei Fieber oder einem akuten Infekt den Termin verschieben. Das DGK-Manual zählt fieberhafte Infekte zu den Gegenanzeigen.
Wann wird abgebrochen?
Ziel ist eine Ausbelastung oder das Auftreten der Beschwerden, die abgeklärt werden sollen. Erreichte Sollwerte oder die rechnerische Maximalfrequenz sind nach den österreichischen Praxisleitlinien von 2022 für sich allein kein Grund zum Aufhören. Die DGK unterscheidet zwingende und relative Abbruchgründe.
| Bereich | Sofortiger Abbruch | Abbruch nach Abwägung |
|---|---|---|
| Beschwerden | mäßige bis schwere Angina pectoris, schwere Atemnot, Schwindel, Erschöpfung, Wunsch des Patienten | zunehmende Brustenge, Beinkrämpfe, Giemen |
| Blutdruck | Abfall um mehr als 10 mmHg mit Ischämiezeichen | systolisch 230 bis 260 mmHg oder diastolisch ab 115 mmHg |
| EKG | ST-Senkung über 0,3 mV, ST-Hebung über 0,1 mV | absteigende ST-Senkung ab 0,2 mV, neuer Schenkelblock |
| Rhythmus | Kammertachykardie ab 30 Sekunden | gehäufte Extraschläge, Salven, Herzrasen aus den Vorhöfen |
Ernste Zwischenfälle sind selten. Das DGK-Manual nennt für tödliche und schwere Komplikationen Raten von unter 0,03 bis 0,05 Prozent aus älteren Erhebungen. Häufiger sind Brustenge, Atemnot oder Extraschläge. Seltener sackt der Blutdruck kurz nach dem Absteigen ab, was Schwindel und selten eine Ohnmacht auslösen kann. Ein Defibrillator und Notfallmedikamente müssen deshalb bei jeder Ergometrie griffbereit sein.
Was die Werte zeigen
Der Befundbericht enthält meist die erreichte Leistung in Watt, den höchsten Puls, den Blutdruckverlauf und eine Beurteilung des EKG. Die folgende Übersicht fasst die Bewertungsregeln der DGK und der österreichischen Praxisleitlinien zusammen.
| Messwert | Unauffällig | Auffällig |
|---|---|---|
| Leistung | um 100 % des Sollwerts | unter 75 W absolut (DGK) |
| Puls | Anstieg bis etwa 220 minus Alter | unter 85 % der erwarteten Maximalfrequenz ohne Betablocker |
| Puls in der Erholung | Abfall um mindestens 12 Schläge in der 1. Minute | Abfall um weniger als 12 Schläge |
| Blutdruck systolisch | stetiger Anstieg, Spitze etwa 160 bis 200 mmHg | Spitze unter 130 mmHg oder Abfall bei steigender Last |
| ST-Strecke | leicht aufsteigende Senkung unter 0,15 mV | waagerechte oder absteigende Senkung über 0,1 mV in 2 benachbarten Ableitungen |
Die Formel 220 minus Alter ist nur ein grober Richtwert. Schon die DGK-Leitlinie von 2000 nennt eine Streuung von 10 bis 12 Schlägen pro Minute, die österreichischen Leitlinien rechnen mit plus oder minus 15 Prozent. Unter Betablockern steigt der Puls deutlich weniger an, dann ist der Wert kaum vergleichbar.
Für den Blutdruck gibt es eine Faustformel aus den österreichischen Praxisleitlinien: Der systolische Wert sollte auf einer Stufe nicht über 120 + 0,4 × (Watt + Lebensalter) liegen. Bei 150 Watt und 55 Jahren ergibt das 120 + 0,4 × 205 = 202 mmHg. Drei Minuten nach dem Ende sollte der systolische Druck unter 90 Prozent des Spitzenwerts gefallen sein.
Wie viel Watt sind normal? Rechenbeispiel
Pauschale Wattzahlen pro Altersgruppe greifen zu kurz, weil auch Größe, Gewicht und Geschlecht zählen. Die österreichischen Praxisleitlinien von 2022 rechnen den Sollwert über die Körperoberfläche (KO) aus:
- KO in m² = 0,007148 × Gewicht in kg0,425 × Größe in cm0,725
- Männer: Soll in Watt = 6,773 + 136,141 × KO − 0,916 × KO × Alter
- Frauen: Soll in Watt = 3,933 + 86,641 × KO − 0,346 × KO × Alter
Ein 55-jähriger Mann mit 80 kg und 178 cm hat eine Körperoberfläche von 1,97 m². Sein Soll liegt bei 6,773 + 136,141 × 1,97 − 0,916 × 1,97 × 55, also bei rund 176 Watt. Er schafft die 150-Watt-Stufe komplett und hält auf der 175-Watt-Stufe noch 60 von 120 Sekunden durch. Die erbrachte Leistung beträgt dann 150 + 25 × 60/120 = 162,5 Watt, das sind 92 Prozent des Solls.
| Beispielperson | Soll | 75 % des Solls | 220 minus Alter |
|---|---|---|---|
| Mann, 35 J., 80 kg, 178 cm | 212 W | 159 W | 185 /min |
| Mann, 55 J., 80 kg, 178 cm | 176 W | 132 W | 165 /min |
| Mann, 70 J., 80 kg, 178 cm | 149 W | 112 W | 150 /min |
| Frau, 55 J., 65 kg, 166 cm | 120 W | 90 W | 165 /min |
Die 75-Prozent-Spalte hat einen praktischen Sinn. Nach den österreichischen Leitlinien sollte mindestens diese Leistung erreicht werden, damit das EKG eine Durchblutungsstörung überhaupt sicher genug anzeigen kann. 100 Prozent bedeuten Durchschnitt, nicht Bestnote.
Wie zuverlässig ist das Ergebnis?
Ein unauffälliges Belastungs-EKG schließt eine verengte Herzkranzarterie nicht aus. Die DGK-Leitlinie von 2000 gibt die Sensitivität mit etwa 70 Prozent an, die Spezifität mit 70 bis 85 Prozent. Rund drei von zehn Menschen mit relevanter Verengung haben also ein unauffälliges Ergebnis. Fehlalarme entstehen unter anderem durch Digitalis, Hormonpräparate einschließlich Pille, Bluthochdruck oder einen Linksschenkelblock.
Deshalb hat das Verfahren in der Diagnostik der koronaren Herzkrankheit an Gewicht verloren. Das Patientenblatt zur Nationalen VersorgungsLeitlinie nennt es weniger aussagekräftig als Herz-CT, Stress-Echokardiografie oder Stress-MRT. Für die Prognose bleibt es nützlich: Laut DGK-Manual 2025 sagt die erreichte Fitness am stärksten voraus, wie es mit dem Herzen weitergeht. Eine Ischämiereaktion ohne sichtbare Verengung gilt heute nicht mehr automatisch als falsch positiv, sondern kann auf eine Störung der kleinsten Herzgefäße hinweisen.
Wer zahlt das Belastungs-EKG?
Bei Beschwerden oder begründetem Verdacht auf eine Herzerkrankung zahlt die gesetzliche Krankenkasse. Als Vorsorge ohne Beschwerden ist es eine Selbstzahlerleistung. Der IGeL-Monitor des Medizinischen Dienstes bewertet das EKG zur Früherkennung bei Menschen ohne Beschwerden als „tendenziell negativ“, die DGK rät von Routinetests bei Beschwerdefreien ab.
Privat abgerechnet wird nach Nummer 652 der Gebührenordnung für Ärzte mit 445 Punkten. Beim Punktwert von 5,82873 Cent nach § 5 GOÄ ergibt das 25,94 Euro zum einfachen Satz und 59,66 Euro zum üblichen 2,3-fachen Satz (Stand 10/2026). Ein Ruhe-EKG nach Nummer 651 kommt am selben Termin nicht hinzu, denn die Nummern 650 bis 653 sind nebeneinander nicht berechnungsfähig.
Häufige Fragen
Ist ein Belastungs-EKG sehr anstrengend?
Gegen Ende ja, und das ist gewollt. Die Charité betont, dass die Aussagekraft stark von der Mitarbeit abhängt. Wer zu früh aufhört, ohne Beschwerden zu haben, verschenkt Information. Bei Brustschmerz, Schwindel oder zunehmender Atemnot wird dagegen sofort gestoppt.
Kann ein Belastungs-EKG eine Herzschwäche erkennen?
Nur indirekt. Eine niedrige Leistung, ein flacher Blutdruckanstieg oder ein Blutdruckabfall unter Last können auf eine geschwächte Pumpfunktion hinweisen. Für die Diagnose ist ein Herzultraschall nötig.
Wann darf kein Belastungs-EKG gemacht werden?
Das DGK-Manual nennt unter anderem akutes Koronarsyndrom, frische Lungenembolie oder Beinvenenthrombose, akute Herzmuskel- oder Herzbeutelentzündung, eine symptomatische hochgradige Aortenklappenstenose und einen Ruheblutdruck über 180/100 mmHg.
Wann ärztlich abklären lassen
- Brustschmerz, Engegefühl oder Atemnot, die in Ruhe auftreten oder länger als einige Minuten anhalten: Notruf 112.
- Schwindel, Herzrasen oder Ohnmacht in den Stunden nach der Untersuchung.
- Ein auffälliger Befund: Er führt meist zu weiteren Untersuchungen wie Stress-Echo, Herz-CT oder Herzkatheter. Den Termin dafür nicht aufschieben.
Fazit
Ein Belastungs-EKG dauert in der Belastungsphase selten länger als 12 Minuten. Mit Vorbereitung und Erholung sollte trotzdem eine knappe Stunde eingeplant werden. Für ein brauchbares Ergebnis zählt, möglichst bis zur Erschöpfung oder bis zu den bekannten Beschwerden mitzumachen, mindestens bis 75 Prozent des eigenen Watt-Solls. Ein unauffälliges Ergebnis bei anhaltenden Beschwerden ist kein Freibrief. Dann gehört eine bildgebende Untersuchung auf den Plan.
Quellen
- Deutsche Gesellschaft für Kardiologie · DGK-Manual zum Stellenwert der Ergometrie (2025) · Abruf 10/2026
- Deutsche Gesellschaft für Kardiologie · Leitlinien zur Ergometrie (2000) · Abruf 10/2026
- Journal für Kardiologie, Partnerjournal der Österreichischen Kardiologischen Gesellschaft · Praxisleitlinien Ergometrie und Spiroergometrie (2022) · Abruf 10/2026
- Charité – Universitätsmedizin Berlin, Medizinische Poliklinik · Belastungs-EKG (Ergometrie) · Abruf 10/2026
- Bundesärztekammer und Kassenärztliche Bundesvereinigung · Patientenblatt KHK: Welche Untersuchungen kommen für mich in Frage? · Abruf 10/2026
- IQWiG, gesundheitsinformation.de · Koronare Herzkrankheit · Abruf 10/2026
- Medizinischer Dienst Bund, IGeL-Monitor · EKG zur Früherkennung einer koronaren Herzerkrankung · Abruf 10/2026
- Bundesministerium der Justiz · GOÄ Gebührenverzeichnis, Nr. 650 bis 653 · Abruf 10/2026
- Bundesministerium der Justiz · § 5 GOÄ Bemessung der Gebühren · Abruf 10/2026