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Laborwerte und Messwerte

TSH-Wert Tabelle: Normbereich nach Alter und Befund

Von Redaktion 13 Min. Lesezeit

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Hände in blauen Einmalhandschuhen nehmen Blutröhrchen mit roten Kappen aus einem weißen Ständer auf einem Labortisch
Foto: fernandozhiminaicela / Pixabay, Pixabay-Inhaltslizenz

Auf dem Laborzettel steht ein TSH-Wert mit Sternchen, und die Frage ist: krank oder nicht? Die Tabellen zeigen, welche Grenzen für welches Alter gelten, wie sich TSH und fT4 gemeinsam lesen lassen und warum ein einzelner Wert selten reicht.

Auf dieser Seite
  1. Was der TSH-Wert misst
  2. TSH-Wert Tabelle nach Alter
  3. Warum Labore unterschiedliche Grenzen angeben
  4. TSH und fT4 zusammen lesen
  5. TSH-Wert zu hoch: was die Stufen bedeuten
  6. TSH-Wert zu niedrig
  7. TSH in der Schwangerschaft
  8. Was den TSH-Wert verfälscht
  9. Checkliste für eine aussagekräftige Messung
  10. Vier Beispielbefunde, nach Leitlinie eingeordnet
  11. Wann ärztlich abklären lassen
  12. Wenn bereits Schilddrüsenhormon eingenommen wird
  13. Häufige Fragen zum TSH-Wert
  14. Fazit
  15. Quellen

Der TSH-Wert liegt bei Erwachsenen zwischen 18 und 70 Jahren im Normbereich, solange er 4,0 mU/l nicht übersteigt. Für ältere Menschen gelten nach der Leitlinie „Erhöhter TSH-Wert in der Hausarztpraxis“ der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin (DEGAM) höhere Grenzen: bis 5,0 mU/l zwischen 70 und 80 Jahren, bis 6,0 mU/l ab 80.

Die Tabellen hier helfen beim Einordnen eines Befunds. Die Diagnose stellt die Ärztin oder der Arzt, und zwar mit fT4-Wert, Beschwerden, Medikamenten und meist einer zweiten Messung. Sofort in eine Notaufnahme gehören Menschen mit bekannter Überfunktion, die hohes Fieber, starkes Herzrasen, Erbrechen oder Verwirrtheit entwickeln. Das kann eine thyreotoxische Krise sein, die laut dem Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) auf der Intensivstation behandelt wird.

Was der TSH-Wert misst

TSH steht für Thyreoidea-stimulierendes Hormon, auch Thyreotropin genannt. Es stammt aus der Hirnanhangdrüse (Hypophyse) und treibt die Schilddrüse an, ihre Hormone T4 (Thyroxin) und T3 (Trijodthyronin) zu bilden. Die Hypophyse misst laufend, wie viel davon im Blut ist, und regelt nach.

Daraus ergibt sich die auf den ersten Blick verdrehte Logik des Werts. Arbeitet die Schilddrüse zu wenig, schüttet die Hypophyse mehr TSH aus, der Wert steigt. Produziert sie zu viel, bremst die Hypophyse, und der TSH-Wert fällt. Ein hoher TSH-Wert spricht also für eine Unterfunktion (Hypothyreose), ein niedriger für eine Überfunktion (Hyperthyreose).

Hypophyse misst den Hormonspiegel Schilddrüse bildet T4 und T3 TSH regt an T4/T3 bremsen die TSH-Ausschüttung zu wenig T4 → TSH steigt zu viel T4 → TSH fällt
Der Regelkreis zwischen Hypophyse und Schilddrüse. Grafik: Redaktion

Die Einheit auf dem Befund lautet mU/l, mIU/l oder µU/ml. Alle drei Schreibweisen bezeichnen dieselbe Größe, die Zahlen lassen sich direkt vergleichen. Beim fT4 und fT3 ist das anders: Hier rechnen manche Labore in pmol/l, andere in ng/dl, und die Zahlen unterscheiden sich deutlich.

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TSH-Wert Tabelle nach Alter

Bis 2023 galt in vielen Praxen eine starre Obergrenze von 4,0 mU/l, egal wie alt jemand war. Die überarbeitete DEGAM-Leitlinie hat das geändert, weil der TSH-Wert mit den Jahren ansteigt, ohne dass die Schilddrüse krank sein muss. Die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) hat die Werte 2024 übernommen und schreibt, eine altersunabhängige Grenze von 4,0 mU/l gelte „nicht mehr medizinisch adäquat“.

GruppeNormal bisErhöht ab
Erwachsene 18 bis 70 Jahre4,0 mU/lüber 4,0 mU/l
Über 70 bis 80 Jahre5,0 mU/lüber 5,0 mU/l
Über 80 Jahre6,0 mU/lüber 6,0 mU/l
Schwangere4,0 mU/lüber 4,0 mU/l

Die Untergrenze des Normbereichs liegt bei Erwachsenen bei etwa 0,4 mU/l. Die DEGAM nutzt bei Menschen, die Schilddrüsenhormon einnehmen, den Zielkorridor 0,4 bis 4,0 mU/l. Ab welchem niedrigen Wert eine Überfunktion vorliegt, zeigt die Tabelle zu den Befundmustern weiter unten.

Für Kinder und Jugendliche gibt es keine einheitliche Tabelle. Labore drucken für sie eigene, altersgestaffelte Referenzbereiche auf den Befund, und bei Neugeborenen liegen die Werte in den ersten Lebenstagen viel höher als bei Erwachsenen. Eine angeborene Unterfunktion betrifft laut IQWiG etwa 1 von 3.400 Neugeborenen. Sie wird in Deutschland meist schon im Neugeborenen-Screening entdeckt.

Warum Labore unterschiedliche Grenzen angeben

Wer zwei Befunde aus verschiedenen Praxen nebeneinanderlegt, findet oft verschiedene Normbereiche. Das ist kein Fehler. Laut DEGAM-Leitlinie setzen Labore die TSH-Obergrenze irgendwo zwischen 2,5 und 5,0 mU/l an. Die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) nannte 2023 einen üblichen Bereich von 0,3 bis 4,2 mU/l und betonte, dass die Werte vom Labor und von der Messmethode abhängen.

Die Testverfahren der Hersteller liefern bei derselben Blutprobe nicht exakt dieselbe Zahl. Die DEGAM empfiehlt deshalb, nur TSH-Werte miteinander zu vergleichen, die mit derselben Methode gemessen wurden. Werte im Grenzbereich zwischen 3,5 und 5 mU/l seien „mit Bedacht zu beurteilen“. Ein Sternchen auf dem Befund heißt also nur, dass der Wert außerhalb des Bereichs dieses einen Labors liegt. Eine Diagnose ist das noch nicht.

Die Leitlinie warnt ausdrücklich davor, Laborgrenzen ohne nachvollziehbare Begründung nach unten zu verschieben, weil dann gesunde Menschen plötzlich als krank gelten. Wird die Obergrenze von 4,0 auf 2,5 mU/l gesenkt, fallen viele Gesunde aus dem Normbereich, ohne dass sich an ihrer Schilddrüse etwas geändert hat.

TSH und fT4 zusammen lesen

Der TSH-Wert allein sagt, ob der Regelkreis aus dem Gleichgewicht ist. Wie stark, zeigt erst das freie Thyroxin (fT4). Nach der DEGAM-Leitlinie wird bei einem bestätigt erhöhten TSH-Wert einmal das fT4 bestimmt. Das fT3 bringt bei erhöhtem TSH keinen Zusatznutzen. Es wird vor allem gemessen, wenn der TSH-Wert zu niedrig ist.

Der fT4-Normbereich hängt ebenfalls vom Testverfahren ab. Die DEGAM nennt als Spanne der Referenzbereiche verschiedener Tests etwa 10 bis 22 pmol/l. Maßgeblich ist der Bereich, der auf dem eigenen Befund steht.

BefundmusterTSHfT4Bedeutung
Normalbefundim AltersbereichnormalSchilddrüsenfunktion unauffällig
Latente Hypothyreoseerhöhtnormalleichte Unterfunktion, oft ohne Beschwerden
Manifeste Hypothyreoseerhöhterniedrigtausgeprägte Unterfunktion, wird behandelt
TSH hoch, fT4 hocherhöhterhöhtseltene andere Ursache, Abklärung beim Endokrinologen
Latente Hyperthyreose Grad 10,1 bis 0,39 mU/lnormalleichte Überfunktion
Latente Hyperthyreose Grad 2unter 0,1 mU/lnormaldeutlichere Überfunktion, fT3 wird mitbestimmt
Manifeste Hyperthyreoseerniedrigterhöhtausgeprägte Überfunktion, fT3 meist ebenfalls erhöht

Die Einteilung bei erhöhtem TSH stammt aus der DEGAM-Leitlinie. Die beiden Grade der latenten Überfunktion folgen der Leitlinie der European Thyroid Association (ETA) von 2015. Ein niedriger TSH-Wert zusammen mit niedrigem fT4 fehlt in der Tabelle mit Absicht. Dieses Muster deutet auf eine Störung der Hypophyse hin und gehört in fachärztliche Hände.

TSH-Wert zu hoch: was die Stufen bedeuten

Ein erhöhter TSH-Wert ist häufig ein Zufallsbefund. Die DEGAM-Patienteninformation formuliert es so: „Ein erhöhter TSH-Wert ist zunächst unbedenklich.“ Wie es weitergeht, hängt vor allem davon ab, ob der Wert unter oder über 10 mU/l liegt.

TSH-Wert (18 bis 70 Jahre)Nächster Schritt laut DEGAMBehandlung
über 4,0 bis 10,0 mU/l, keine RisikofaktorenTSH wiederholenohne Beschwerden keine Tabletten
über 4,0 bis 10,0 mU/l, RisikofaktorenfT4 bestimmenabhängig von fT4 und Beschwerden
über 10,0 mU/lTSH wiederholen und fT4 bestimmenbis 75 Jahre Therapie empfohlen
über 10,0 bis unter 20,0 mU/lKontrollen im VerlaufVerzicht nach Aufklärung möglich, über 75 Jahre ebenso
beliebig, fT4 erniedrigtDiagnose manifeste HypothyreoseHormonersatz mit Levothyroxin

Für Menschen über 70 verschiebt sich die erste Zeile entsprechend: Erhöht ist der Wert dann erst über 5,0 beziehungsweise über 6,0 mU/l. Als Risikofaktoren, bei denen die Leitlinie gleich weiter untersucht, nennt sie unter anderem eine frühere Schilddrüsenoperation oder Radiojodtherapie, Bestrahlung im Kopf-Hals-Bereich, autoimmune Schilddrüsenerkrankungen bei Verwandten ersten Grades, Autoimmunerkrankungen wie Typ-1-Diabetes oder Zöliakie und die Dauereinnahme von Amiodaron oder Lithium.

Bei einer latenten Unterfunktion entwickeln laut DEGAM nur 2 bis 5 Prozent der Betroffenen innerhalb eines Jahres eine manifeste Hypothyreose. Mit Antikörpern gegen die Schilddrüse (TPO-Antikörper) ist das Risiko etwas höher. Wer keine Tabletten nimmt, kann den TSH-Wert nach 6 bis 12 Monaten erneut kontrollieren lassen. Für TSH-Werte bis 10 mU/l ohne Beschwerden empfiehlt die Leitlinie unabhängig vom Alter keine Hormontabletten, weil ein Langzeitnutzen dafür nicht belegt ist.

Ab 10 mU/l sieht das anders aus. Die DEGAM zitiert Daten, nach denen Menschen mit einem TSH von 10 oder mehr ein 1,9-fach höheres, altersbereinigtes Risiko für einen Tod durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen hatten als Menschen mit einem TSH unter 7 mU/l. Deshalb rät die Leitlinie hier bis 75 Jahre zur Behandlung.

Häufige Ursachen eines erhöhten TSH-Werts

Die häufigste krankhafte Ursache ist laut IQWiG und DEGAM eine chronische Entzündung der Schilddrüse, meist die Hashimoto-Thyreoiditis. Sie verläuft fast immer ohne Fieber und Schmerzen und fällt deshalb oft nur im Blut auf. Weitere Ursachen sind eine operierte oder mit Radiojod behandelte Schilddrüse sowie Medikamente wie Lithium, Amiodaron oder bestimmte Krebsmedikamente. Ausgeprägter Jodmangel ist in Deutschland laut DEGAM sehr selten der Grund.

Oft steckt gar keine Krankheit dahinter. Die DGE nennt als Auslöser eines vorübergehend erhöhten TSH-Werts unter anderem die Jahreszeit (im Winter liegen die Werte tendenziell höher), akuten Schlafmangel, körperliche Anstrengung, Infekte, die Pubertät, höheres Alter und Übergewicht. Nach einer schweren Erkrankung steigt der TSH-Wert in der Erholungsphase häufig vorübergehend an. Die DEGAM empfiehlt deshalb, nach einer Krankenhausentlassung 4 Wochen zu warten und dann neu zu messen. Eine Schilddrüsenoperation ist davon ausgenommen.

Wie oft sich ein Wert von selbst erledigt, beziffert die DGE: Bei einer erneuten Messung nach mindestens 2, besser 6 Monaten finde sich in 50 bis 60 Prozent der Fälle ein Normalwert.

TSH-Wert zu niedrig

Ein TSH unter dem Normbereich passt zu einer Überfunktion. Die häufigste Ursache ist laut IQWiG die Basedow-Krankheit, eine Autoimmunerkrankung. Dazu kommen Schilddrüsenknoten, die ohne Steuerung durch die Hypophyse Hormone bilden (Autonomie). Vorübergehend kann laut ETA-Leitlinie auch eine Schilddrüsenentzündung den Wert senken, etwa eine stille oder eine Entzündung nach der Geburt. Rund 1 von 100 Menschen hat laut IQWiG eine Überfunktion.

Nicht jeder niedrige Wert bedeutet eine Überfunktion. In der Frühschwangerschaft sinkt der TSH-Wert normalerweise, mehr dazu im nächsten Abschnitt. Während einer schweren akuten Erkrankung oder bei Magersucht kann er leicht abfallen, ohne dass die Schilddrüse beteiligt ist. Auch Glukokortikoide (Kortison), Heparin und hoch dosierte Acetylsalicylsäure senken laut DEGAM den TSH-Wert.

Ohne Behandlung erhöht eine Überfunktion laut IQWiG das Risiko für Vorhofflimmern und auf Dauer für Osteoporose. Die ETA-Leitlinie empfiehlt für Menschen über 65 mit einem TSH unter 0,1 mU/l eine Behandlung, auch wenn fT4 und fT3 noch normal sind. Bei Werten zwischen 0,1 und 0,39 mU/l wird stärker abgewogen.

TSH in der Schwangerschaft

Das Schwangerschaftshormon hCG ähnelt dem TSH und regt die Schilddrüse ebenfalls leicht an. Im ersten Drittel der Schwangerschaft sinkt der TSH-Wert deshalb, danach steigt er wieder. Laut DEGAM liegt die natürliche Obergrenze in der Schwangerschaft 0,5 bis 1,0 mU/l unter der von Nicht-Schwangeren. Die Leitlinie passt den Grenzwert trotzdem nicht an, weil eine Behandlung in diesem Bereich keinen nachgewiesenen Nutzen hat. Sie wertet bei Schwangeren erst Werte über 4,0 mU/l als erhöht.

Ein einzelner erhöhter Wert ist auch hier oft nicht von Dauer. Die Leitlinie zitiert eine Auswertung von über 111.000 Schwangeren im ersten Drittel: Bei einem Erstwert zwischen 4 und 9,99 mU/l lag der TSH bei der Kontrolle 3 bis 9 Wochen später in 67,9 Prozent der Fälle wieder bei höchstens 4,0 mU/l. Leicht erhöhte Werte zwischen 4 und 10 mU/l sind laut DEGAM-Patienteninformation für Schwangere meist unbedenklich. Liegt der Wert über 10 mU/l, steigt das Risiko, dass die geistige Entwicklung des Kindes leicht eingeschränkt ist. Die Datenlage dazu nennt die Leitlinie allerdings sehr begrenzt.

Manche endokrinologischen Empfehlungen arbeiten mit engeren Grenzen: 2,5 mU/l im ersten und 3,0 mU/l im zweiten und dritten Schwangerschaftsdrittel. Die DEGAM hält das für nicht ausreichend begründet und verweist auf die American Thyroid Association, die 4,0 mU/l empfiehlt, solange keine Referenzwerte für die eigene Bevölkerung vorliegen. Für Deutschland gibt es solche Werte bisher nicht. Welcher Grenzwert gilt, klärt die betreuende Praxis. Schwangere, die bereits Schilddrüsenhormon einnehmen, lassen den TSH-Wert laut DEGAM mindestens einmal pro Schwangerschaftsdrittel kontrollieren. Ein TSH unter 0,1 mU/l durch zu viel Hormon ist mit einem höheren Risiko für eine Frühgeburt verbunden.

Was den TSH-Wert verfälscht

Auf diese Frage stoßen viele erst, wenn ein Befund nicht zu den Beschwerden passt. Der häufigste vermeidbare Störfaktor ist Biotin, auch Vitamin B7 oder Vitamin H genannt, das in vielen Präparaten für Haare und Nägel steckt. Laut Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) können Tagesdosen ab 150 Mikrogramm Labortests verfälschen, darunter Schilddrüsenwerte. Betroffen sind Messverfahren, die auf der Bindung von Biotin an Streptavidin beruhen. Die Bundesärztekammer weist darauf hin, dass die Ergebnisse dann falsch hoch oder falsch niedrig ausfallen können.

EinflussfaktorWirkung auf TSHBeleg
Biotin ab 150 µg pro TagMesswert verfälschtBfR, Bundesärztekammer
Glukokortikoide (Kortison)senktDEGAM
HeparinsenktDEGAM
Acetylsalicylsäure 4 × 1.000 mg pro TagsenktDEGAM
FrühschwangerschaftsenktDEGAM
Schwere akute Erkrankungsenkt leichtDEGAM
Erholung nach Krankenhausaufenthalterhöht vorübergehendDEGAM
Höheres KörpergewichthöherDEGAM, DGE
Wintertendenziell höherDGE
TageszeitschwanktDEGAM, DGE

Beim Körpergewicht hält die DEGAM eine Sache fest: Schilddrüsenhormon hilft nicht beim Abnehmen. Für eine Senkung von BMI oder Taillenumfang durch die Tabletten gibt es keinen Nutzennachweis.

Checkliste für eine aussagekräftige Messung

Wer einen auffälligen Wert kontrollieren lassen will, bekommt mit wenigen Vorbereitungen ein belastbareres Ergebnis. Die DEGAM-Kurzfassung verlangt, die Blutentnahmen jeweils unter denselben Bedingungen durchzuführen.

  • Möglichst im selben Labor messen lassen, damit dieselbe Methode zum Einsatz kommt.
  • Ungefähr zur selben Tageszeit Blut abnehmen lassen wie beim ersten Mal.
  • Biotin-Präparate vorher in der Praxis ansprechen und nach der empfohlenen Pause fragen.
  • Kortison, Heparin, Lithium, Amiodaron und Schilddrüsenmedikamente bei der Anmeldung nennen.
  • Nach Krankenhausaufenthalt oder schwerem Infekt mindestens 4 Wochen bis zur Kontrolle warten.
  • Bei Einnahme von Schilddrüsenhormon die Tablette am Abnahmetag immer gleich handhaben.
  • Alte Befunde mitbringen, damit der Verlauf sichtbar wird.

Vier Beispielbefunde, nach Leitlinie eingeordnet

Die folgenden Beispiele sind ausgedacht. Sie zeigen, wie sich dieselbe Zahl je nach Alter und fT4-Wert unterschiedlich lesen lässt. Die Einordnung folgt den Grenzwerten der DEGAM und der ETA und ersetzt keine ärztliche Bewertung.

PersonBefundEinordnung
Frau, 76 Jahre, keine BeschwerdenTSH 4,8 mU/l, im Labor markiertnach Altersgrenze 5,0 mU/l normal
Mann, 45 Jahre, RoutinecheckTSH 6,2 mU/l, fT4 normallatente Hypothyreose möglich, zuerst wiederholen
Frau, 52 Jahre, müde, frierendTSH 14 mU/l, fT4 erniedrigtmanifeste Hypothyreose, Behandlung angezeigt
Mann, 70 Jahre, HerzstolpernTSH 0,05 mU/l, fT4 normallatente Hyperthyreose Grad 2, Abklärung und meist Therapie

Das erste Beispiel kommt in Hausarztpraxen häufig vor: Viele Labore drucken weiter einen einheitlichen Normbereich für alle Erwachsenen, und die Markierung sorgt dann für Unruhe, obwohl der Wert für das Alter normal ist.

Wann ärztlich abklären lassen

Müdigkeit, trockene Haut, Frieren oder Antriebslosigkeit passen zu einer Unterfunktion, haben aber viele andere Ursachen. Die DEGAM hält Beschwerden allein deshalb für nicht handlungsleitend. Bei folgenden Situationen sollte der Befund zeitnah ärztlich besprochen werden:

  • TSH über 10 mU/l oder fT4 unter dem Normbereich
  • TSH unter 0,1 mU/l, besonders mit Herzrasen, Herzstolpern oder ungewolltem Gewichtsverlust
  • hervortretende Augen oder Sehstörungen zusammen mit einem niedrigen TSH
  • eine tastbare Schwellung oder ein Knoten am Hals
  • ein erhöhter TSH-Wert in der Schwangerschaft oder bei Kinderwunsch
  • auffällige Werte unter Lithium oder Amiodaron
  • TSH und fT4 passen nicht zusammen, etwa beide erhöht

Hohes Fieber, Erbrechen, starke Unruhe, Herzrhythmusstörungen oder Benommenheit bei bekannter Überfunktion sind ein Notfall. In diesem Fall den Rettungsdienst unter 112 rufen.

Wenn bereits Schilddrüsenhormon eingenommen wird

Unter Behandlung mit Levothyroxin dient der TSH-Wert als Steuergröße. Die DEGAM nennt als Zielkorridor 0,4 bis 4,0 mU/l und bei Älteren die höheren Altersgrenzen. Nach Beginn einer Therapie wird der TSH-Wert laut DEGAM nach etwa 8 Wochen kontrolliert, später in Abständen von 6 bis 24 Monaten. Über die Dosis entscheidet die behandelnde Praxis.

Ein dauerhaft zu niedriger TSH-Wert unter Tabletten ist kein Zeichen besonders guter Einstellung. Bei zu hoher Dosis kann es laut DEGAM zu Herzrhythmusstörungen und Osteoporose kommen. Ob jemand die Tabletten überhaupt noch braucht, lohnt sich gelegentlich zu fragen: Ein Review, auf das sich die Leitlinie stützt, fand, dass bis zu ein Drittel der Behandelten nach dem Absetzen eine normale Schilddrüsenfunktion behielt, vor allem bei ursprünglich latenter Unterfunktion. Absetzen nur nach Rücksprache mit der Praxis.

Die Bundesärztekammer weist darauf hin, dass Johanniskraut den Levothyroxin-Spiegel senken und Magensäureblocker (Protonenpumpenhemmer) die Aufnahme verringern können. Wer solche Mittel beginnt oder absetzt, sollte den TSH-Wert kontrollieren lassen.

Häufige Fragen zum TSH-Wert

Welcher TSH-Wert ist kritisch?

Eine feste Alarmgrenze gibt es nicht. Nach der DEGAM-Leitlinie ändert sich das Vorgehen über 10 mU/l, weil dann bis 75 Jahre eine Behandlung empfohlen wird. Ab 20 mU/l sieht die Leitlinie auch bei Älteren kein Abwarten mehr vor. Am unteren Ende gilt ein TSH unter 0,1 mU/l nach ETA-Leitlinie als deutlich erniedrigt.

Ist ein TSH-Wert von 3 zu hoch?

Nein. Ein TSH von 3 mU/l liegt nach den DEGAM-Grenzen bei Erwachsenen jeden Alters im Normbereich, auch in der Schwangerschaft. Nur Labore mit sehr niedriger Obergrenze markieren solche Werte.

Bei welchem TSH-Wert muss man Tabletten nehmen?

Laut DEGAM bei erniedrigtem fT4, also einer manifesten Unterfunktion, und bei Menschen bis 75 Jahre ab einem TSH über 10 mU/l. Bei Werten bis 10 mU/l ohne Beschwerden rät die Leitlinie in jedem Alter von Tabletten ab. Über 75 Jahren kann die Behandlung bis zu einem TSH unter 20 mU/l ebenfalls unterbleiben.

Bei welchem TSH-Wert fühlt man sich am wohlsten?

Einen belegten Wohlfühlwert gibt es nicht. Die DEGAM sieht für TSH-Werte bis 10 mU/l ohne Beschwerden keinen nachgewiesenen Langzeitnutzen einer Behandlung und warnt vor Übertherapie. Wer sich trotz Normalwerten schlecht fühlt, sollte andere Ursachen abklären lassen.

Welche Schilddrüsenwerte sind im Alter normal?

Zwischen 70 und 80 Jahren ein TSH bis 5,0 mU/l, ab 80 Jahren bis 6,0 mU/l. Die AkdÄ verweist auf Daten, nach denen eine leichte Unterfunktion bei Menschen ab 85 nicht mit höherer Sterblichkeit verbunden ist.

Fazit

Für Erwachsene bis 70 gilt ein TSH bis 4,0 mU/l als normal, danach steigt die Grenze auf 5,0 und ab 80 auf 6,0 mU/l. Ein markierter Wert knapp darüber ist meist ein Anlass zur Wiederholung, nicht zur Behandlung. Die Kontrolle sollte im selben Labor, zur selben Tageszeit und ohne Biotin stattfinden. Wer über 10 mU/l liegt, einen sehr niedrigen Wert unter 0,1 mU/l hat oder schwanger ist, sollte den Befund mit fT4 zeitnah ärztlich besprechen.

Quellen

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