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Leukozyten im Urin ohne Beschwerden: Was steckt dahinter?

Von Redaktion 7 Min. Lesezeit Zuletzt geprüft am

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Beschriftete Probenröhrchen mit Barcode-Etiketten in einem grauen Laborständer, einige mit gelblicher Flüssigkeit gefüllt
Foto: edusoft / Pixabay, Pixabay-Inhaltslizenz

Der Teststreifen zeigt Leukozyten an, aber nichts brennt, nichts drückt. Oft steckt eine verunreinigte Probe oder eine harmlose Keimbesiedlung dahinter, manchmal eine Infektion ohne Symptome. Was der Befund bedeutet und wie es weitergeht.

Auf dieser Seite
  1. Was der Teststreifen eigentlich misst
  2. Häufige Gründe für Leukozyten ohne Symptome
  3. Testergebnis einordnen: Leukozyten, Nitrit und Blut
  4. Schritt für Schritt: So geht es nach dem Befund weiter
  5. Warum ohne Beschwerden meist kein Antibiotikum nötig ist
  6. Was das Ergebnis verfälschen kann
  7. Häufige Fragen
  8. Fazit
  9. Quellen

Leukozyten im Urin ohne Beschwerden sind in vielen Fällen kein Zeichen einer behandlungsbedürftigen Krankheit. Ein Teststreifen schlägt schon ab etwa 10 weißen Blutkörperchen pro Mikroliter an. Häufige Ursachen ohne Krankheitswert sind eine verunreinigte Probe oder Bakterien, die die Blase nur besiedeln.

Ein einzelner positiver Streifen ist also noch keine Diagnose. Ärztlich abklären lassen sollten den Befund aber Schwangere, Menschen mit Blasenkatheter oder geschwächter Abwehr und alle, bei denen er in einer sauber gewonnenen Wiederholungsprobe wieder auftaucht. Sofort in eine Praxis oder Notaufnahme gehört, wer Fieber, Schüttelfrost oder Flankenschmerzen bekommt. Das kann auf eine Nierenbeckenentzündung hindeuten.

Was der Teststreifen eigentlich misst

Das Leukozytenfeld zählt keine Zellen. Es reagiert auf Esterasen, also Enzyme aus Granulozyten, einer Untergruppe der weißen Blutkörperchen. Das Feld färbt sich violett, und die Stärke der Färbung erlaubt eine grobe Einordnung. Die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin (DEGAM) beschreibt den Befund in ihrer Anwenderversion zur S3-Leitlinie Harnwegsinfektionen deshalb als Hinweis auf eine Entzündung, nicht als Beweis.

Wie genau ein Streifen arbeitet, steht in der Gebrauchsanleitung des Herstellers. Für den in Praxen verbreiteten Combur10 Test M nennt Roche Diagnostics (Version 2.0, Stand 02/2024) folgende Werte:

Angabe beim Combur10 Test MWert
Farbstufen auf der Dosenegativ, ca. 10–25, ca. 75, ca. 500 Leukozyten/µl
Nachweisgrenze (visuell)5–20 Leukozyten/µl
Referenzbereichunter 10 Leukozyten/µl
grenzwertiger Bereich10–100 Leukozyten/µl
Ablesezeit Leukozytenfeld60–120 s
Färbung nach mehr als 2 minohne diagnostische Bedeutung

Die erste Farbstufe „+“ fällt damit genau in den Bereich, den der Hersteller selbst als grenzwertig einstuft. Streifen anderer Anbieter haben eigene Stufen und Grenzen. Maßgeblich ist die Packungsbeilage des verwendeten Tests.

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Häufige Gründe für Leukozyten ohne Symptome

Verunreinigte Probe

Laut Roche-Gebrauchsanleitung können bei Frauen Scheidensekret oder Menstruationsblut den Urin verunreinigen. Wer den ersten Strahl mit auffängt, erwischt außerdem Zellen und Keime aus der Harnröhre. Empfohlen wird für beide Geschlechter Mittelstrahlurin. Auch das Ablesen nach mehr als zwei Minuten liefert Färbungen, die nichts aussagen.

Asymptomatische Bakteriurie

Bei einer asymptomatischen Bakteriurie leben Bakterien in der Blase, ohne Beschwerden zu machen. Die DEGAM spricht ausdrücklich von einer Kolonisation und nicht von einer Infektion. Im Alter ist das verbreitet: Unter Bewohnerinnen und Bewohnern von Altenheimen ohne Dauerkatheter liegt der Anteil nach der Leitlinie bei 15 bis 40 Prozent der Männer und 25 bis 50 Prozent der Frauen. Dabei können auch Leukozyten im Urin auftauchen.

Sexuell übertragbare Infektionen

Chlamydien verlaufen oft still. Nach Angaben des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) bleiben etwa 80 Prozent der infizierten Frauen und 50 Prozent der Männer beschwerdefrei. Eine gewöhnliche Urinkultur erfasst sie nicht, für den Chlamydientest wird nach IQWiG gezielt die erste Urinportion aufgefangen oder ein Abstrich genommen. Das Institut für Medizinische Mikrobiologie der Uniklinik Düsseldorf nennt sie, neben Ureaplasmen und Viren, als Ursachen bei wiederholt hohen Leukozytenzahlen ohne passenden Erregerbefund, der sogenannten sterilen Leukozyturie. Nach einem neuen Sexualkontakt ist ein gezielter Test sinnvoll.

Kinder mit Fieber

Bei Kindern tauchen Leukozyten im Urin manchmal als Begleiterscheinung einer fieberhaften Infektion an anderer Stelle auf, etwa bei einem Atemwegsinfekt. Die DEGAM nennt das eine „sterile“ Begleit-Leukozyturie. Bei Säuglingen mit Fieber gehört ein auffälliger Befund trotzdem in kinderärztliche Hände.

Seltene, ernste Ursachen

Bleiben Leukozyten im Urin wiederholt nachweisbar, ohne dass Bakterien wachsen, kann laut Roche eine Urogenitaltuberkulose oder ein Tumor dahinterstecken. Bei einer chronischen Nierenbeckenentzündung ist eine erhöhte Leukozytenzahl zwischen den akuten Schüben oft das einzige Zeichen. Nach Aufenthalten in den Tropen kommt nach Angaben der Uniklinik Düsseldorf der Parasit Schistosoma haematobium in Betracht. Diese Ursachen sind selten. Sie sind aber der Grund, warum ein dauerhaft positiver Befund nicht einfach liegen bleiben sollte.

Testergebnis einordnen: Leukozyten, Nitrit und Blut

Allein sagt das Leukozytenfeld wenig. Mehr Aussagekraft hat die Kombination mit Nitrit und Blut. Nitrit entsteht, wenn bestimmte Bakterien wie E. coli Nitrat umwandeln, dafür muss der Urin nach DEGAM länger als vier Stunden in der Blase gestanden haben. Laut Roche erfasst der Nitrittest deshalb nur rund die Hälfte der bakteriellen Harnwegsinfekte.

Streifenbefund ohne BeschwerdenHäufige EinordnungSinnvoller nächster Schritt
Leukozyten +, sonst alles negativoft Verunreinigung oder grenzwertiger Wertsaubere Morgenurinprobe wiederholen
Leukozyten + und Nitrit +Bakterien in der Blase wahrscheinlichHausarztpraxis, Bewertung je nach Person
Leukozyten + und Blut +Entzündung, Stein oder andere Ursache möglichärztlich abklären lassen
Leukozyten wiederholt +, Kultur ohne Keimesterile LeukozyturieLabor auf Chlamydien, ggf. Urologie
Leukozyten ++ oder +++deutlich erhöhte ZahlUrinstatus im Labor

Blut im Urin hat eine eigene Liste möglicher Ursachen. Roche nennt Nieren- und Blasentumoren, Harnsteine und Nierenschäden, die auftreten können, bevor Schmerzen entstehen. Bei Frauen kann der Blutwert nach Herstellerangaben drei Tage vor bis drei Tage nach der Periode verfälscht sein.

Schritt für Schritt: So geht es nach dem Befund weiter

  1. Neue Probe vom Morgenurin nehmen oder mindestens drei Stunden nach dem letzten Wasserlassen. Vorher den Genitalbereich mit Wasser reinigen, den ersten Strahl in die Toilette lassen, den mittleren Strahl auffangen.
  2. Streifen kurz eintauchen, am Becherrand abstreifen, das Leukozytenfeld nach 60 bis 120 Sekunden ablesen. Spätere Färbungen zählen nicht.
  3. Bei Frauen nicht während der Periode testen.
  4. Bleibt das Feld positiv, die Hausarztpraxis aufsuchen. Dort folgt meist ein Urinstatus mit Mikroskop, bei Bedarf eine Urinkultur.
  5. Die Probe für das Labor rasch abgeben. Laut Uniklinik Düsseldorf sinkt die Leukozytenzahl beim Stehenlassen, Bakterien vermehren sich dagegen.
  6. In der Kultur gelten nach den Düsseldorfer Vorgaben Keimzahlen über 100.000 pro Milliliter als signifikant, 10.000 pro Milliliter als kontrollbedürftig, bei Kindern gelten um eine Zehnerpotenz niedrigere Werte. Ohne Beschwerden heißt auch ein signifikanter Wert nicht automatisch Therapie.
  7. Bei wiederholt positiven Befunden ohne Keime nach sexuellen Risiken, Tropenreisen oder früherer Tuberkulose fragen lassen und die Antworten offen geben.

Warum ohne Beschwerden meist kein Antibiotikum nötig ist

Die Leitlinien sind hier klar. Bei älteren Menschen sollte eine asymptomatische Bakteriurie nach der DEGAM-Anwenderversion nicht behandelt werden. Auch bei Männern soll weder danach gesucht noch behandelt werden. Bei älteren und pflegebedürftigen Menschen soll die Diagnose Harnwegsinfekt laut Empfehlung 8.20 der S3-Leitlinie nicht allein auf einem positiven Teststreifen oder einer positiven Kultur beruhen. Ein Autorenteam um Guido Schmiemann weist im Deutschen Ärzteblatt (2024) darauf hin, dass gerade in dieser Gruppe Überdiagnostik und Übertherapie verbreitet sind.

Der Grund: Antibiotika gegen eine harmlose Besiedlung bringen keinen Nutzen, können aber Nebenwirkungen und Resistenzen fördern. Bei Menschen mit Dauerkatheter ist eine Besiedlung nach DEGAM fast die Regel, ein Screening deshalb nicht sinnvoll.

Schwangere sind ein Sonderfall. Die Mutterschafts-Richtlinien des Gemeinsamen Bundesausschusses (Stand 07/2026) sehen bakteriologische Urinuntersuchungen vor, „soweit nach Befundlage erforderlich“, etwa bei früheren Harnwegsinfekten oder einer Frühgeburt in der Vorgeschichte. Wer schwanger ist, bespricht einen positiven Streifen deshalb immer mit der Frauenarztpraxis oder Hebamme.

Was das Ergebnis verfälschen kann

StörfaktorWirkung auf das LeukozytenfeldBeleg
Scheidensekret, Menstruationsblutfalsch positiv möglichRoche, Gebrauchsanleitung
erster Harnstrahl aufgefangenZellen aus der HarnröhreRoche, Gebrauchsanleitung
Ablesen nach mehr als 2 minFärbung ohne AussageRoche, Gebrauchsanleitung
Urin lange bei RaumtemperaturLeukozytenzahl sinktUniklinik Düsseldorf
Phenazopyridin (Blasenschmerzmittel)falsch negativ oder nicht auswertbarRoche, Gebrauchsanleitung
sehr hoher Zucker im Urinfalsch negativRoche, Gebrauchsanleitung

Roche betont selbst, dass eine Diagnose nie auf einem einzelnen Testergebnis beruhen darf. Bei Zweifeln wird der Test wiederholt.

Häufige Fragen

Ist es schlimm, Leukozyten im Urin ohne Beschwerden zu haben?

Meist nicht. Ein einmaliger, schwach positiver Befund ist häufig eine Verunreinigung oder ein grenzwertiger Wert. Wichtig ist die Wiederholung mit sauberer Probe. Bleibt der Befund bestehen, gehört er in die Hausarztpraxis.

Was ist der Normalwert für Leukozyten im Urin?

Für den Combur10 Test M gibt Roche unter 10 Leukozyten pro Mikroliter als Referenz an, 10 bis 100 als grenzwertig. Laborgeräte und andere Streifen arbeiten mit eigenen Grenzen, die auf dem Befund stehen.

Leukozyten und Blut im Urin, aber keine Bakterien: Was bedeutet das?

Das kann eine Entzündung ohne Bakterien sein, etwa durch Chlamydien, ebenso ein Stein oder in seltenen Fällen ein Tumor. Auch die Periode kann das Blutfeld färben. Wiederholt sich der Befund außerhalb der Periode, ist eine ärztliche Abklärung angebracht, bei Männern und bei Menschen über 50 frühzeitig.

Wie lassen sich erhöhte Leukozyten im Urin senken?

Gar nicht direkt. Die Leukozyten sind ein Zeichen, kein eigenes Problem. Trinken, Tees oder Präparate verändern bestenfalls die Konzentration der Probe. Behandelt wird, wenn überhaupt, die Ursache.

Fazit

Ein positives Leukozytenfeld ohne Beschwerden ist zunächst ein Grund für eine zweite, sauber gewonnene Probe und nicht für ein Antibiotikum. Wer Morgenurin aus dem Mittelstrahl nimmt und nach 60 bis 120 Sekunden abliest, schließt die häufigsten Fehlerquellen aus. Bleibt der Befund positiv, sind Urinstatus und gegebenenfalls Kultur in der Hausarztpraxis der nächste Schritt. Schwangere, Menschen mit Katheter oder Abwehrschwäche und alle mit Fieber oder Flankenschmerzen gehen direkt in die Praxis.

Quellen

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