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Schmerzen in der Kniekehle: Was steckt dahinter?

Von Redaktion 7 Min. Lesezeit Zuletzt geprüft am

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Hände einer Therapeutin tasten das Knie einer sitzenden älteren Person ab, die sich mit der Hand am Oberschenkel hält
Foto: kumarsu6745_ / Pixabay, Pixabay-Inhaltslizenz

Meist stecken Bakerzyste, Meniskus oder Arthrose hinter Schmerzen in der Kniekehle. Seltener ist es eine Thrombose, und die muss schnell abgeklärt werden.

Auf dieser Seite
  1. Was liegt in der Kniekehle?
  2. Die häufigsten Ursachen
  3. Schmerzmuster und mögliche Ursachen im Überblick
  4. Warnzeichen: wann zum Arzt?
  5. Selbstcheck vor dem Arzttermin
  6. Wie die Ursache festgestellt wird
  7. Behandlung: was hilft?
  8. Häufige Fragen
  9. Fazit
  10. Quellen

Schmerzen in der Kniekehle kommen meist aus dem Kniegelenk selbst: Eine Bakerzyste, ein Meniskusschaden oder eine Arthrose sind die häufigsten Gründe. Laut IQWiG machen Bakerzysten ab etwa 5 Zentimetern Größe deutlich häufiger Beschwerden als kleine. Seltener, aber gefährlicher ist eine tiefe Beinvenenthrombose, die sich ebenfalls hinter dem Knie und in der Wade bemerkbar machen kann.

Wichtig vorab: Dieser Text hilft beim Einordnen, eine Untersuchung ersetzt er nicht. Eine einseitig geschwollene, warme oder gerötete Wade sollte am selben Tag ärztlich angesehen werden. Kommen plötzliche Atemnot, Brustschmerzen oder blutiger Husten hinzu, ist das ein Notfall für die 112.

Was liegt in der Kniekehle?

Die Kniekehle ist eine rautenförmige Grube auf der Rückseite des Knies. Oben wird sie von den Sehnen der hinteren Oberschenkelmuskeln begrenzt, unten von den beiden Köpfen des Wadenmuskels. In der Mitte verlaufen die Kniekehlenarterie, die Kniekehlenvene und der Schienbeinnerv. Dazu kommen Schleimbeutel, die mit der Gelenkhöhle verbunden sein können. Schmerzt es dort, kann also das Gelenk, eine Sehne, ein Gefäß oder ein Nerv dahinterstecken.

Sehnen innen Bizepssehne (außen) Bakerzyste Gelenkspalt Arterie, Vene, Nerv Wadenmuskel innerer Kopf Wadenmuskel äußerer Kopf innen ← → außen
Rechtes Knie von hinten, stark vereinfacht. Die Raute markiert die Kniekehle, eine Bakerzyste liegt typischerweise auf der Innenseite. Grafik: Redaktion

Die häufigsten Ursachen

Bakerzyste

Eine Bakerzyste ist eine mit Gelenkflüssigkeit gefüllte Aussackung der Gelenkkapsel in der Kniekehle. Sie entsteht nach Angaben des IQWiG meist als Folge eines anderen Schadens im Knie, etwa an Meniskus oder Knorpel, oder bei einer Arthritis. Das gereizte Gelenk bildet mehr Flüssigkeit, die in einen Schleimbeutel auf der Knierückseite gedrückt wird. Häufig betroffen sind Menschen über 50, bei Kindern ist sie selten.

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Mediadaten

Typisch sind Druck, Spannung oder ein Fremdkörpergefühl hinter dem Knie. Größere Zysten sieht und tastet man als Vorwölbung, vor allem bei gestrecktem Bein. Genau darauf beruht der Beugetest in der Praxis: Bei durchgestrecktem Knie ist die Zyste gut tastbar, bei etwa 45 Grad Beugung kaum noch. Viele kleine Zysten bleiben unbemerkt und bilden sich von selbst zurück.

Meniskusschaden

Ein Riss im Hinterhorn des Innen- oder Außenmeniskus schmerzt oft tief hinten im Knie. Beim akuten Riss tut das Knie laut gesund.bund.de vor allem bei Dreh- und Beugebewegungen weh, schwillt an und kann sich anfühlen, als ob es klemmt. Kleine Risse fallen manchmal erst nach Stunden oder Tagen auf. Schätzungen zufolge verletzt sich etwa eine von 1.000 Personen pro Jahr am Meniskus.

Ein Befund im MRT erklärt nicht automatisch den Schmerz. Bei rund 20 Prozent der über 40-Jährigen zeigen sich Risse oder Veränderungen am Meniskus, ohne dass sie Beschwerden machen. Bei einer im Röntgenbild sichtbaren Kniearthrose sind es etwa 60 Prozent.

Kniearthrose

In Deutschland haben schätzungsweise 4 Prozent der Erwachsenen eine Kniearthrose, ab etwa 40 Jahren wird sie häufiger (gesund.bund.de). Der Schmerz tritt anfangs nur bei Belastung auf, später auch in Ruhe und nachts. Typisch ist Steifigkeit nach Ruhepausen. Arthrose gehört außerdem zu den typischen Auslösern einer Bakerzyste, weshalb beides oft zusammen auftritt.

Sehnen und Muskeln

Wer Schmerzen in der Kniekehle beim Strecken hat, etwa beim Durchdrücken des Beins oder beim Bergablaufen, hat nicht selten eine gereizte Sehne. In Frage kommen die Sehnen der hinteren Oberschenkelmuskeln, die außen und innen an der Kniekehle ansetzen, oder der Ursprung des Wadenmuskels oberhalb des Gelenks. Solche Überlastungen entstehen nach ungewohntem Training, längeren Läufen oder Arbeit in der Hocke. Der Schmerz sitzt eher am Rand der Kniekehle, eine sichtbare Schwellung fehlt meist. Eine Bakerzyste kann das Strecken aber ebenfalls schmerzhaft machen, weil sie in dieser Stellung am stärksten hervortritt.

Thrombose und Gefäße

Die tiefe Beinvenenthrombose entsteht meist im Unterschenkel, kann aber bis in die Kniekehlenvene reichen. Laut gesund.bund.de bekommt etwa einer von 1.000 Menschen pro Jahr eine Thrombose dieser Art, die Beschwerden macht. Hinweise sind Schmerzen, Druckempfindlichkeit, Spannungsgefühl, Rötung, Überwärmung und eine Schwellung. Die Deutsche Gefäßliga nennt als klassisches Zeichen eine Umfangszunahme der Wade, die sich auch im Liegen nicht zurückbildet, und einen Spannungsschmerz, der bei Entlastung bleibt. Das Risiko steigt nach Operationen an Knie oder Hüfte, nach längerer Bettruhe, mit dem Alter über 60, bei bestimmten Krebserkrankungen und durch die Antibabypille.

Eine pulsierende Schwellung in der Kniekehle kann auf eine Erweiterung der Kniekehlenarterie hinweisen. Das ist selten, gehört aber immer in ärztliche Hände.

Schmerzmuster und mögliche Ursachen im Überblick

Die Tabelle ordnet typische Beschwerdebilder ein. Sie stellt keine Diagnose, zeigt aber, wie eilig eine Abklärung ist.

BeschwerdebildMögliche UrsacheAbklärung
Prall-elastische Beule, gut tastbar bei gestrecktem BeinBakerzysteHausarzt oder Orthopädie, nicht dringend
Schmerz beim Drehen und Beugen, Knie klemmtMeniskusschadenOrthopädie in den nächsten Tagen
Belastungsschmerz, Anlaufsteifigkeit, über 40 JahreKniearthroseHausarzt oder Orthopädie, planbar
Ziehen am Rand der Kniekehle nach Sport, keine SchwellungSehnenreizungBei rascher Besserung meist keine nötig
Plötzlich starker Schmerz in Kniekehle und Wade, BlutergussGeplatzte BakerzysteAm selben Tag, Thrombose ausschließen
Wade einseitig dick, warm, gerötet, bleibt im LiegenTiefe VenenthromboseAm selben Tag
Dazu Atemnot, Brustschmerz, blutiger HustenLungenembolieSofort Notruf 112
Knie rot und heiß, dazu FieberGelenkinfektion möglichAm selben Tag

Warnzeichen: wann zum Arzt?

Schwierig ist die geplatzte Bakerzyste. Laut IQWiG verursacht sie plötzlich starke Schmerzen in Knie und Wade, manchmal mit Bluterguss. Von außen ähnelt das einer Thrombose. Deshalb wird eine gerötete, schmerzhafte Wadenschwellung mit Ultraschall untersucht, um eine tiefe Venenthrombose auszuschließen. Eine Thrombose muss schnell behandelt werden, weil sich das Gerinnsel lösen und in die Lunge gelangen kann.

Ärztlich abklären lassen, wenn:

  • eine Wade einseitig anschwillt, warm, gerötet oder druckempfindlich ist,
  • der Schmerz nach einem Sturz oder einer Verdrehung auftritt und das Bein kaum belastbar ist,
  • das Knie blockiert, wegknickt oder sich nicht mehr ganz strecken lässt,
  • das Knie heiß und rot ist und Fieber oder Schüttelfrost dazukommen (der britische NHS nennt das als mögliches Zeichen einer Infektion),
  • Taubheit oder Schwäche in Wade oder Fuß auftreten,
  • die Beschwerden nach einigen Wochen nicht besser werden.

Bei plötzlicher Atemnot, Brustschmerzen beim Einatmen, blutigem Husten, Herzrasen oder Ohnmacht rät gesund.bund.de ausdrücklich zur 112 und nicht zum ärztlichen Bereitschaftsdienst.

Selbstcheck vor dem Arzttermin

Ein paar Beobachtungen helfen der Praxis bei der Einordnung. Sie dauern wenige Minuten und ersetzen keine Untersuchung.

  1. Beide Beine im Liegen vergleichen: Ist eine Wade sichtbar dicker, wärmer oder anders gefärbt?
  2. Wadenumfang messen: Maßband an beiden Beinen auf gleicher Höhe anlegen, etwa eine Handbreit unter der Kniescheibe, und die Werte notieren.
  3. Kniekehle bei gestrecktem und leicht gebeugtem Bein abtasten: Wird eine Beule beim Beugen kleiner, passt das eher zu einer Zyste.
  4. Festhalten, wann es wehtut: beim Strecken, beim Beugen, beim Treppensteigen, in Ruhe oder nachts.
  5. Auslöser notieren: Sturz, Verdrehung, neues Training, lange Reise oder Operation in den letzten Wochen.
  6. Einnahme von Blutverdünnern, Hormonpräparaten und frühere Thrombosen in der Familie aufschreiben.

Steht eine Thrombose im Raum, wird nicht gewartet, bis alle Punkte erledigt sind.

Wie die Ursache festgestellt wird

Erste Anlaufstelle ist meist die hausärztliche Praxis, bei Gelenkproblemen auch Orthopädie oder Rheumatologie. Nach Gespräch und Abtasten folgt häufig ein Ultraschall: Er zeigt eine Bakerzyste und kann zugleich die Venen prüfen. Für die Thrombosediagnostik gilt die Kompressionsultraschall- oder Duplexuntersuchung als Standard, so die Deutsche Gefäßliga. Bleibt die Ursache nach dem Ultraschall unklar und bessern sich die Beschwerden über einige Wochen nicht, kann laut IQWiG ein MRT sinnvoll sein.

Behandlung: was hilft?

Die Behandlung richtet sich nach der Ursache. Eine Bakerzyste ohne Beschwerden braucht keine Therapie. Macht sie Probleme, kommen nach IQWiG zuerst Pausen, Hochlegen, Bandagen, Kälte oder Wärme sowie entzündungshemmende Schmerzmittel in Frage, dazu Bewegung und Kräftigung. Das Absaugen der Zyste wird heute eher selten gemacht, weil sie sich schnell wieder füllt. Auch eine alleinige Operation der Zyste wird selten empfohlen, da sie oft zurückkehrt. Dauerhaft verschwindet sie meist erst, wenn die Grunderkrankung behandelt ist.

Bei Kniearthrose ist Schonen der falsche Weg: Gezielte Bewegung kräftigt die Muskeln und versorgt den Knorpel, betont gesund.bund.de. Kortisonspritzen lindern für einige Wochen, können bei wiederholter Anwendung aber auf Dauer den Knorpel schädigen. Bei verschleißbedingten Meniskusrissen ist eine Operation meist nicht sinnvoll, Training steht im Vordergrund. Eine Thrombose wird mit gerinnungshemmenden Medikamenten und Kompression behandelt. Welche Mittel und wie lange, entscheidet die Ärztin oder der Arzt.

Häufige Fragen

Kann sich eine Bakerzyste von selbst zurückbilden?

Ja, kleine Zysten verschwinden oft ohne Behandlung. Größere bestehen manchmal über Jahre, solange die Ursache im Gelenk nicht behandelt wird.

Ist Bewegung bei einer Bakerzyste gut?

Maßvolle Bewegung und Kräftigung gehören zur Behandlung, vor allem bei Arthrose. Wird das Knie stark belastet, kann die Schwellung aber zunehmen. Kurze Pausen mit hochgelegtem Bein nach längeren Wegen sind dann sinnvoll.

Was passiert, wenn eine Bakerzyste nicht behandelt wird?

Meist nichts, solange sie keine Beschwerden macht. Selten platzt sie oder drückt auf Gefäße und Nerven, dann schwillt die Wade an oder es treten Taubheit und Schwäche auf.

Wo schmerzt das Knie, wenn der Meniskus kaputt ist?

Beim Innenmeniskus eher innen, beim Außenmeniskus eher außen. Ist das hintere Ende betroffen, zieht der Schmerz in die Kniekehle, besonders beim tiefen Beugen und Drehen.

Fazit

Schmerzen in der Kniekehle haben meist eine Ursache im Gelenk, und eine Bakerzyste ist oft nur das Symptom eines Meniskus- oder Arthroseproblems. Sinnvoll ist deshalb die Suche nach dieser Ursache, nicht die Behandlung der Beule allein. Eine einseitig dicke, warme Wade gehört am selben Tag untersucht, Atemnot dazu in die Notaufnahme über die 112. Für alles andere reicht ein regulärer Termin, wenn die Beschwerden nach einigen Wochen nicht nachlassen.

Quellen

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