
Die Spiegelung selbst ist nach 5 bis 10 Minuten vorbei, der Termin dauert trotzdem oft zwei Stunden. Wie der Ablauf aussieht, was Rachenspray und Schlafspritze unterscheidet, wann wieder gegessen und Auto gefahren werden darf und welche Beschwerden danach ein Grund zum Anrufen sind.
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Die eigentliche Magenspiegelung dauert in der Regel 5 bis 10 Minuten: Ein etwa fingerdicker, biegsamer Schlauch mit Kamera wird durch den Mund in Speiseröhre, Magen und Zwölffingerdarm geschoben. Für den gesamten Ablauf mit Aufklärung, Vorbereitung und Aufwachphase nach einer Schlafspritze sind eher 1 bis 2 Stunden realistisch.
Die Untersuchung heißt in der Fachsprache Gastroskopie oder genauer Ösophago-Gastro-Duodenoskopie (ÖGD), weil sie alle drei Abschnitte erfasst. Ob sie mit Betäubungsspray im Rachen oder im Dämmerschlaf stattfindet, entscheiden Patientinnen und Patienten nach der Aufklärung mit. Beides ist nach der Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie (DGVS) zulässig.
Wichtig vorab: Gerinnungshemmer, Insulin oder Diabetes-Tabletten werden vor dem Termin nicht eigenmächtig weggelassen, sondern nach Absprache mit der Praxis. Starke Bauch- oder Brustschmerzen, Fieber, Bluterbrechen oder schwarzer Stuhl in den Tagen nach der Spiegelung gehören sofort ärztlich abgeklärt.
Ablauf der Magenspiegelung Schritt für Schritt
Die folgende Schrittfolge beschreibt eine geplante, ambulante Magenspiegelung. In Kliniken und Praxen unterscheiden sich Details, die Reihenfolge ist aber fast überall gleich.
- Aufklärungsgespräch und Unterschrift. Nach § 630e BGB muss die Aufklärung mündlich und so rechtzeitig stattfinden, dass eine überlegte Entscheidung möglich ist. Bei einfachen ambulanten Spiegelungen reicht laut DGVS oft der Untersuchungstag, solange noch kein Beruhigungsmittel gegeben wurde.
- Venenzugang legen, wenn eine Sedierung geplant ist. Die DGVS-Leitlinie schreibt dafür einen dauerhaften Zugang in der Vene vor.
- Herausnehmbaren Zahnersatz ablegen, auf die linke Seite legen, Beißring zwischen die Zähne.
- Rachen mit Spray betäuben oder Schlafmittel spritzen. Meist ist das Propofol, manchmal Midazolam.
- Schlucken, damit das Gastroskop in die Speiseröhre gleitet. Dann schiebt die Ärztin oder der Arzt es durch den Magen bis in den Zwölffingerdarm.
- Magen mit etwas Luft oder CO₂ entfalten und die Schleimhaut beim Zurückziehen absuchen. Bei Bedarf werden mit einer kleinen Zange Gewebeproben entnommen. Das tut nicht weh, die Schleimhaut ist dafür nicht schmerzempfindlich.
- Überwachung im Aufwachraum, bis Kreislauf und Orientierung wieder stabil sind. Danach folgt das Gespräch über den ersten Befund.
Die ersten Bilder sieht das Team live auf dem Monitor. Die DGVS fordert, dass bei jeder diagnostischen Spiegelung mindestens sechs Stellen fotografiert werden, darunter Antrum, Kardia und der zweite Abschnitt des Zwölffingerdarms. Für eine diagnostische Spiegelung empfiehlt die DGVS-Leitlinie eine Untersuchungsdauer von mindestens 7 Minuten, weil mit der Zeit die Trefferquote bei Vorstufen von Krebs steigt.
Zeitplan für den Untersuchungstag
| Abschnitt | Rachenspray | Schlafspritze |
|---|---|---|
| Letzte Mahlzeit | 6 bis 8 h vorher | 6 bis 8 h vorher |
| Letztes Wasser oder Tee | 2 h vorher | 2 h vorher |
| Aufnahme und Aufklärung | 15 bis 30 min | 15 bis 30 min |
| Spiegelung | 5 bis 10 min | 5 bis 10 min |
| Aufwachraum | entfällt meist | 30 min bis 2 h |
| Essen danach | nach 1 bis 2 h | frühestens nach 1 h |
| Selbst Auto fahren | gleich danach | nach 12 bis 24 h |
Die Zeiten für Nüchternheit und Spiegelung stammen vom Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), die Zeiten im Aufwachraum und bis zur ersten Mahlzeit vom Universitätsklinikum Freiburg. Die Fahrverbote nennt die S3-Leitlinie Sedierung der DGVS. Für Aufnahme und Aufklärung ist eine Viertel- bis halbe Stunde ein Erfahrungswert, die eigene Praxis nennt den genauen Termin.
Vorbereitung: nüchtern, Medikamente, Begleitung
Der Magen muss leer sein, sonst verdecken Speisereste die Schleimhaut und die Spiegelung muss abgebrochen werden. Das IQWiG nennt 6 bis 8 Stunden ohne Essen. Klare Flüssigkeit wie Wasser oder Tee ist bis 2 Stunden vorher erlaubt. Milch oder trüber Saft zählen nicht dazu. Bei einem Termin am Vormittag bedeutet das praktisch: ab dem Vorabend nichts mehr essen.
Bei blutverdünnenden Mitteln hängt viel von der Art des Eingriffs ab. Für eine diagnostische Spiegelung mit Probeentnahme, die zu den Eingriffen mit niedrigem Blutungsrisiko zählt, empfiehlt die DGVS-Qualitätsleitlinie (Stand 2025) im Grundsatz Folgendes:
- ASS: weiter einnehmen
- Clopidogrel, Prasugrel, Ticagrelor: weiter einnehmen, auch in Kombination mit ASS
- Phenprocoumon (Marcumar) und andere Vitamin-K-Antagonisten: weiter einnehmen, der INR-Wert soll nicht über dem Zielbereich liegen
- Direkte orale Antikoagulanzien wie Apixaban oder Rivaroxaban: Morgendosis am Untersuchungstag auslassen
- Heparin-Spritzen: am Untersuchungstag auslassen
Die Liste dient nur der Orientierung. Ist schon absehbar, dass ein Polyp abgetragen oder eine Engstelle gedehnt wird, gelten strengere Regeln. Was im eigenen Fall gilt, legt die Praxis fest.
Wer eine Schlafspritze möchte, braucht eine Begleitperson für den Heimweg. Die DGVS-Leitlinie verlangt, dass nach Sedierung nur in Begleitung eines verantwortlichen Erwachsenen entlassen wird. Manche Praxen akzeptieren ein Taxi, andere bestehen darauf, dass jemand abholt.
Magenspiegelung mit oder ohne Narkose?
Im Alltag sagen viele „Narkose“, gemeint ist fast immer eine Sedierung. Dabei schläft man mit Propofol für etwa eine halbe Stunde, atmet aber selbst weiter. Eine Vollnarkose mit Beatmung ist für eine normale Magenspiegelung nicht üblich.
Die DGVS formuliert klar: Eine diagnostische Spiegelung kann mit Rachenbetäubung oder unter Sedierung erfolgen, eine Sedierung soll aber jedem angeboten werden. Bei verdächtigen Befunden oder Kontrollen von Krebsvorstufen soll die Spiegelung unter Sedierung empfohlen werden. Wer schläft, würgt weniger, und die Ärztin kann länger und gründlicher schauen.
| Merkmal | Nur Rachenspray | Propofol allein | Mit Midazolam |
|---|---|---|---|
| Bewusstsein | wach | schläft ca. 30 min | dösig bis schlafend |
| Nicht selbst fahren | 0 h | mind. 12 h | 24 h |
| Begleitperson | nicht nötig | nötig | nötig |
| Arbeiten am selben Tag | meist möglich | nein | nein |
Ohne Sedierung kommt in Frage, wer zügig zurück zur Arbeit oder selbst nach Hause fahren muss. Für ältere oder mehrfach erkrankte Menschen mit erhöhtem Sedierungsrisiko gibt es außerdem die Spiegelung durch die Nase mit einem besonders dünnen Gerät. Laut DGVS ist sie im Westen eine brauchbare Alternative, in Asien macht sie bis zu einem Drittel der ambulanten Magenspiegelungen aus.
Nach der Untersuchung: Was normal ist und was nicht
Nach dem Rachenspray bleibt der Hals noch eine Weile taub. Solange die Betäubung wirkt, ist der Schluckreflex gestört, deshalb gilt laut DGVS: nichts essen, bis das Gefühl vollständig zurück ist. Das IQWiG rechnet mit 1 bis 2 Stunden.
Nach Propofol allein sollen Patienten nach der S3-Leitlinie mindestens 12 Stunden nicht aktiv am Straßenverkehr teilnehmen, keine Maschinen bedienen und keine rechtlich bindenden Entscheidungen treffen. Kommt Midazolam oder ein anderes Benzodiazepin dazu, verlängert sich die Frist auf 24 Stunden. Auch wer sich nach einer Stunde wieder fit fühlt, reagiert oft noch langsamer.
Leichte Beschwerden sind häufig und harmlos:
- Heiserkeit, Kratzen oder leichtes Schluckbrennen im Hals
- Völlegefühl, Blähbauch und Aufstoßen durch die eingeblasene Luft
- Müdigkeit und Konzentrationsprobleme nach der Schlafspritze, einige Stunden lang
Sofort ärztliche Hilfe holen, über die Notfallnummer der Praxis oder die Notaufnahme, bei:
- starken oder zunehmenden Bauch-, Brust- oder Halsschmerzen
- Fieber oder Schweißausbrüchen
- Erbrechen, vor allem mit Blut oder kaffeesatzartigem Inhalt
- schwarzem, teerartigem Stuhl oder Blut im Stuhl
- Atemnot oder Kreislaufproblemen
Die Liste orientiert sich an den Entlassungshinweisen des Universitätsklinikums Freiburg. Nach einer Sedierung sollen Patientinnen und Patienten laut DGVS schriftliche Hinweise und eine rund um die Uhr erreichbare Notfallnummer bekommen. Fehlt das Blatt, lohnt sich die Nachfrage am Empfang.
Wie riskant ist eine Magenspiegelung?
Die geplante diagnostische Magenspiegelung gilt als sehr sicher. Die DGVS-Leitlinie beziffert das Risiko einer Durchstoßung der Wand auf 0,03 Prozent, also etwa 3 von 10.000 Untersuchungen. Kleine Schleimhauteinrisse am Mageneingang (Mallory-Weiss-Risse) finden sich in weniger als 0,1 Prozent und bluten meist nicht nennenswert.
Der Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums nennt Komplikationen bei etwa 1 von 1.000 Untersuchten, meistens im Zusammenhang mit dem Beruhigungsmittel, etwa ein Abfall von Blutdruck oder Sauerstoff. Deshalb laufen während der Sedierung Puls und Sauerstoffsättigung ständig mit. Höher ist das Risiko bei Behandlungen wie Blutstillung, Polypenabtragung oder Dehnung.
Was kostet eine Magenspiegelung?
Bei Beschwerden zahlt die gesetzliche Krankenkasse. Nach § 27 SGB V haben Versicherte Anspruch auf Krankenbehandlung, wenn sie nötig ist, um eine Krankheit zu erkennen. Eine Zuzahlung für die Spiegelung selbst fällt nicht an. Eine Magenspiegelung als reine Vorsorge ohne Anlass gehört in Deutschland nicht zum Früherkennungsprogramm der Kassen.
Privat Versicherte und Selbstzahler bekommen eine Rechnung nach der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ). Welche Nummer berechnet wird, hängt davon ab, wie weit das Gerät vorgeschoben wird. Eine neue GOÄ ist in Vorbereitung, abgerechnet wird aber weiter nach der geltenden Fassung. Ein Rechenbeispiel mit Stand 10/2026, Punktwert nach § 5 GOÄ 5,82873 Cent:
| GOÄ-Nummer | Punkte | 1,0-fach | 2,3-fach |
|---|---|---|---|
| Nr. 683 Gastroskopie mit Ösophagoskopie | 1.000 Punkte | 58,29 € | 134,06 € |
| Nr. 684 bis in den Bulbus des Zwölffingerdarms | 1.200 Punkte | 69,94 € | 160,87 € |
Rechenweg: 1.000 Punkte × 0,0582873 € = 58,29 €, beim 2,3-fachen Satz 1.000 × 0,0582873 € × 2,3 = 134,06 €. Probeentnahmen sind in beiden Nummern enthalten. Getrennt berechnet werden Beratung, die Sedierung und die feingewebliche Untersuchung der Proben im Labor, sodass die Gesamtrechnung meist deutlich höher liegt.
Häufige Fragen zur Gastroskopie
Wann liegt das Ergebnis vor?
Was auf dem Bildschirm zu sehen war, erklärt die Ärztin oder der Arzt meist direkt nach dem Aufwachen. Wurden Gewebeproben entnommen, dauert der feingewebliche Befund laut Krebsinformationsdienst mehrere Tage.
Wird die Bauchspeicheldrüse mit untersucht?
Nein. Die Magenspiegelung zeigt nur die Innenseite von Speiseröhre, Magen und Zwölffingerdarm. Die Bauchspeicheldrüse liegt dahinter. Für sie gibt es die Endosonographie, eine Spiegelung mit Ultraschallkopf an der Spitze.
Wer macht eine Magenspiegelung?
In der Regel Fachärztinnen und Fachärzte für Gastroenterologie in Praxen oder Klinikambulanzen. Der Weg dorthin führt meist über eine Überweisung aus der Hausarztpraxis.
Wie lange ist man danach schlapp?
Nach einer Schlafspritze dürfen die meisten nach 30 Minuten bis 2 Stunden im Aufwachraum gehen. Müdigkeit und Konzentrationsprobleme können laut IQWiG aber noch einige Stunden bleiben. Den Rest des Tages ruhig verbringen und keine wichtigen Entscheidungen treffen, so steht es auch in der DGVS-Leitlinie.
Fazit
Für eine Magenspiegelung reicht es, 6 Stunden nüchtern zu kommen und blutverdünnende Medikamente vorher mit der Praxis abzustimmen. Wer Würgereiz fürchtet oder bei dem ein auffälliger Befund kontrolliert wird, ist mit Propofol gut beraten, muss dann aber Begleitung und einen freien Tag einplanen. Ohne Sedierung ist man nach ein bis zwei Stunden wieder voll einsatzfähig. Bei Schmerzen, Fieber oder Blut in den Tagen danach gleich die Notfallnummer anrufen, nicht bis zum nächsten Praxistermin warten.
Quellen
- IQWiG, gesundheitsinformation.de · Was passiert bei einer Magenspiegelung (Gastroskopie)? · Abruf 10/2026
- DGVS · S2k-Leitlinie Qualitätsanforderungen in der gastrointestinalen Endoskopie, Empfehlungen 5.1 und 5.2: Spezielle Vorbereitung ÖGD · Abruf 10/2026
- DGVS · S2k-Leitlinie Qualitätsanforderungen, Empfehlungen 5.3 und 5.4: Allgemeine Qualitätskriterien der ÖGD · Abruf 10/2026
- DGVS · S2k-Leitlinie Qualitätsanforderungen, Empfehlung 5.9: Prozedurabhängige Nachsorge ÖGD · Abruf 10/2026
- DGVS · S2k-Leitlinie Qualitätsanforderungen: Diagnostische ÖGD, Komplikationen · Abruf 10/2026
- DGVS · S2k-Leitlinie Qualitätsanforderungen, Empfehlung 4.18: Gerinnungshemmende Medikation nach Risikoprofil · Abruf 10/2026
- DGVS · S2k-Leitlinie Qualitätsanforderungen, Empfehlung 4.9: Zeitpunkt der Aufklärung · Abruf 10/2026
- DGVS · S3-Leitlinie Sedierung in der gastrointestinalen Endoskopie, Empfehlungen 7.7 bis 7.9: Verkehrstauglichkeit · Abruf 10/2026
- DGVS · S3-Leitlinie Sedierung, Empfehlung 6.6: Sicherungsaufklärung · Abruf 10/2026
- DGVS · S3-Leitlinie Sedierung, Statement 6.7: Voraussetzung für die Durchführung der Sedierung · Abruf 10/2026
- DGVS · S3-Leitlinie Sedierung, Empfehlungen 7.3 und 7.4: Minimalkriterien für die Entlassung · Abruf 10/2026
- DGVS · S3-Leitlinie Sedierung, Empfehlung 7.2: Patienteninstruktionen · Abruf 10/2026
- Krebsinformationsdienst, DKFZ · Diagnose Magenkrebs: Untersuchungen bei Krebsverdacht · Abruf 10/2026
- Universitätsklinikum Freiburg, Klinik für Innere Medizin II · Magenspiegelung (Gastroskopie) · Abruf 10/2026
- Bundesministerium der Justiz · § 630e BGB Aufklärungspflichten · Abruf 10/2026
- Bundesministerium der Justiz · § 27 SGB V Krankenbehandlung · Abruf 10/2026
- Bundesministerium der Justiz · § 5 GOÄ Bemessung der Gebühren · Abruf 10/2026
- Bundesministerium der Justiz · GOÄ Gebührenverzeichnis, Nr. 683 und 684 · Abruf 10/2026